Perlestar – mehr als nur ein Stoffladen

Jennifer  Stauf hat sich als Gründerin in Velbert und Wülfrath den Traum vom eigenen Ladengeschäft erfüllt. Mutig und trotz einiger Hürden hat sie sich nicht davon abbringen lassen mehr zu wollen, als einen Job der nicht zu ihrem Leben passt.

Am 07.04.2018 feierte sie mit ihrem 2 Ladenlokal bereits ihr 1jähriges Bestehen – und hier ihre Antworten auf unseren Gründerinnen-Interview-Fragebogen.

1.Die Idee hinter deiner Gründung?

Ein Stoffladen (jetzt schon zwei) in dem man qualitativ hochwertige Stoffe bekommt und in dem ich Nähkurse für Anfänger und Fortgeschrittene anbiete. Außerdem sollten diese Läden auch Anlaufpunkte für meine „Marktkunden“ sein. Diese Kunden können sich ihr individuelles Kleidungsstück von mir nähen lassen und sich die Stoffe im Laden aussuchen.

2.Das Besondere an deinem Business?

Ich biete meinen Kunden eine große Auswahl an Stoffen und kreativen Ideen was sie mit diesen machen können. In meinen Nähkursen können die Kursteilnehmer selbst entscheiden was sie nähen möchten (es gibt keine Vorgaben wie z.B. bei einem VHS Kurs). Außerhalb der Kurse können meine Teilnehmer auch gerne in den Laden kommen – wenn sie ein Problem mit einem Nähprojekt haben oder einfach nicht weiter kommen.

An den Wochenenden gehe ich auf Märkte und akquiriere auch darüber neue Kunden die entweder nur Stoffe kaufen möchten oder aber sich ein individuelles Kleidungsstück von mir nähen lassen möchten.   

3. Was bedeutet es dir, dein eigene Chefin zu sein?

Ich bin frei und unabhängig. Das ist für mich sehr wichtig. Ich muss mich keinem mehr rechtfertigen, warum ich Urlaub mache oder warum mein Kind schon wieder krank ist.  

4 .Wann und wie bist du auf die Idee zu deiner Gründung gekommen?

In meinem Designstudium habe ich meine Leidenschaft fürs Nähen entdeckt. Es war ein super Ausgleich zu meinem „Schreibtischjob“ und ich konnte mich dort kreativ auslassen. Ich bin (schon während des Studiums) dann, am Wochenende, auf Kunsthandwerkermärkte gegangen und habe meine fertigen Produkte verkauft. Anfangs nur Taschen und später auch Kleidung für Groß und Klein.

Viele Kunden auf den Märkten haben gefragt ob ich denn auch einen Laden habe und irgendwann war es dann soweit.

Ich stand vor der Entscheidung (bedingt durch Arbeitslosigkeit) was mache ich jetzt. Ich habe eine Weiterbildung gemacht, da ich laut Arbeitsamt mit einem Kleinkind und „nur“ einem Diplom schwer zu vermitteln sei. Nach der Weiterbildung hatte ich die Wahl zwischen einem Jobangebot in einer Werbeagentur (aber mit Arbeitszeiten ab 13 Uhr, die Zeit in der mein Kind dann aus der Kita wieder zu Hause ist) oder mich Selbstständig zu machen. Nach vielen Überlegungen bin ich dann zu dem Entschluss gekommen, dass eine Selbstständigkeit für mich am besten sei. Ich konnte mein Kind mit zur „Arbeit“ nehmen und ich war und bin total flexibel. Erst bin ich an den Wochenenden weiter auf Kunsthandwerkermärkte gegangen und dann habe ich mich zusätzlich noch für einen kleinen Stoffladen entschieden.

Mittlerweile sind es zwei Läden und ich biete auch Nähkurse für Anfänger, Kinder  und Fortgeschrittene an. Für meine Kunden vom „ Markt“ habe ich jetzt auch zwei Anlaufstellen wo sie sich ihre individuellen Produkte selbst aussuchen und zusammenstellen können. 

5. Woher stammt das Kapital für dein Unternehmen?

Es gab kein Kapital. Ich habe nur für ein halbes Jahr einen Gründungszuschuss vom Arbeitsamt bekommen und das war es dann auch. Da ich ja schon vorher (über das Gewerbe meiner Mutter) Stoffe im Großhandel gekauft hatte, brauchte ich nicht so viel dazu kaufen. Alles andere habe ich nach und nach von meinen Einnahmen bezahlt.

Ich habe mich leider zu spät um einen Gründungskredit gekümmert.

6. Was waren bei der Gründung die größten Hürden?

Das Arbeitsamt davon zu überzeugen, dass ich als junge Mutter sehr wohl in der Lage bin mich selbstständig zu machen. Und die Angst vorm Scheitern zu überwinden – das war die größte Hürde.

7. Was würdest du rückblickend in der Gründungsphase anders machen?

Ich würde sofort zu einer Bank gehen und nach einem Gründungskredit fragen.

Mit einer finanziellen Unterstützung im Hintergrund ist es schon leichter und man kann sich mehr auf das Wesentliche konzentrieren als ständig mit dem Geld zu jonglieren.

8. Bekanntheit ist für jeden Gründer wichtig. Welches Marketinginstrument ist für dich besonders wichtig?

Das wichtigste Marketinginstrument ist für mich das Social Web also Facebook und Instagram.

Und natürlich die Kunsthandwerkermärkte. Auch dort gibt es so etwas wie Stammkunden. Wenn ein Markt nur einmal im Jahr ist, hat man auch dort Kunden die jedes Jahr wieder kommen und etwas kaufen oder bestellen.

Ich schalte auch Anzeigen in den hiesigen „Käseblättern“ um auch an die Kunden zu kommen, die nicht im Social Web unterwegs sind.

9. Welche Person hat dich bei der Gründung besonders unterstützt?

Keine Person, sondern meine Familie. Da meine Mutter und mein Mann selbstständig sind waren sie es, die mich am meisten unterstützt haben. Und meine Freundin die auch schon länger selbstständig ist. Sie haben mir Tipps und Ratschläge gegeben wenn ich nicht weiter kam oder mir selbst im Weg stand.

10. Was rätst du anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Sich das vorher gut zu überlegen. Ich persönlich finde es gibt nichts Schlimmeres als sich  unüberlegt in die Selbstständigkeit zu stürzen und dann zu scheitern. Natürlich kann man nicht alles Planen aber es wäre besser wenn man jede Eventualität durchgespielt hat.

11. Gründen Frauen anders als Männer?

Ich glaube schon. Sie sind vielleicht optimistischer und machen einfach. (Das war immer die Aussage von meinem Mann „…worüber du dir alles Gedanken machst???!“)

12. Gab es Stolpersteine bei der Gründung die speziell darauf zurückzuführen waren, das es eine Frauengründung ist?

Naja…man muss sich schon durchboxen und für sich und sein Unternehmen einstehen.

Und man darf sich nicht unterkriegen lassen. Von keinem Amt und von keinem Geschäftspartner. Es war schon manchmal schwierig sich mit Großhändlern auseinander zu setzten. Ich hatte manchmal das Gefühl sie nehmen einen nicht für voll.

13. Welche „frauentypischen“ Besonderheiten gibt es bei einer Gründung durch Frauen?

Das kann ich nicht sagen. Ich denk es kommt immer auf das Business an.

14. Reden wir über [deine Stadt]. Wenn es um Start-ups und erfolgreiche Gründerinnen in Deutschland geht, denken sofort alle an Berlin. Was spricht für [deine Stadt] als Start-up bzw. Gründer-Standort?

Es sind kleine Städte (Velbert und Wülfrath). In Velbert ist die Innenstadt immer im Wandel und viele kleine und alteingesessene Geschäfte schließen, da sie keine Chance gegen die großen Unternehmen haben. Was ich persönlich total schade finde.  Mein Geschäft in Velbert liegt nicht in der Fußgängerzone, sondern etwas außerhalb in einer Nebenstraße. Die Kunden kommen also nur durch Werbung oder Mundpropaganda. Der Grund warum ich gerade in Velbert angefangen habe ist ganz einfach -es ist meine Stadt. Ich lebe hier und bin hier glücklich. Ich möchte, dass die Velberter auch hier etwas Schönes bekommen was es sonst nur in Großstädten gibt.

Das Gleiche gilt für Wülfrath. Es ist eine noch kleinere Stadt als Velbert (Großstädter würden es schon als Dorf bezeichnen) hat aber viel mehr Charme. Es ist eine schöne Altstadt mit vielen kleinen Läden (wovon leider auch viele leer stehen) und mit viel Engagement vom Stadtmarketing. Ich bin durch eine Kundin nach Wülfrath gekommen. Sie hatte mit ihrem Lebensgefährten dort in der Fußgängerzone ein Haus gekauft mit einem kleinen Ladenlokal.

Ich hab es mir angesehen und war sofort verliebt. Also habe ich im April 2017 dort mein zweites Lädchen aufgemacht.

Ich finde es wichtig dass die Innenstädte (gerade die Kleineren) nicht aussterben. Alle sind immer nur am schimpfen das man in der Stadt nicht alles bekommt aber im Internet schon. Ja klar ist das so. Man kann sich als Einzelhändler auch nicht das ganze Sortiment in die Regal legen, wie es z.B. Amazon hat. Aber damit die Innenstädte nicht aussterben, ist es wichtig in der eigenen Stadt zu kaufen. Und ich als Einzelhändler gebe mein Bestes den Kunden alles anzubieten was sie brauchen oder sich wünschen und wenn ich es nicht da habe, dann bestelle ich es einfach bei der nächsten Bestellung mit.

15. Du triffst den OberbürgermeisterIn deiner Stadt – was würdest du dir für deine Stadt oder Region als Gründungsstandort von ihm/ihr wünschen?

Für Velbert würde ich mir mehr Engagement für den Einzelhandel von der Stadt wünschen. Z.B. nicht so hohe Mieten in der Innenstadt z.B. durch Förderungen der Stadt für Vermieter.

16. Was würdest Du beruflich machen, wenn du nicht gegründet hättest?

Ich würde in einer Werbeagentur als Kommunikationsdesignerin arbeiten. So wie ich es vor meiner Elternzeit auch gemacht habe.

17. Bei welchem Gründer oder bei welchem Startup würdest du gerne mal einen Tag über die Schulter schauen können?

Bei Cherry Picking, sie ist eine bekannte Stoffdesignerin. Bei ihr würde ich gerne mal einen Tag im Atelier verbringen.

18. Wie verbringst Du einen freien Tag?

Freier Tag? Irgendwie gibt es nie einen freien Tag. Es gibt immer was zu tun.

19. Was sind deine nächsten Ziele?

perlestar noch bekannter machen. Nicht nur regional und einen eigenen Webshop.

20. Wie soll die Überschrift von einer Berichterstattung über dich in 5 Jahren lauten

perlestar – Seit 9 Jahren auf Erfolgskurs

Wie kann man am besten mit dir/euch Kontakt aufnehmen:

perlestar – das Stofflädchen

Inh. Dipl. Designerin Jennifer –S. Stauf
Feuerdornstr. 16
42549 Velbert

oder

Wilhelmstr. 159
42489 Wülfrath

Tel.: 0151 14 66 74 90

post@perlestar.de
www.perlestar.de
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12 April 2018