Jan Kühr – mehr als individuelle Anfertigungen

Jan Kühr – Gründer des gleichnamigen Unternehmens ist als „Knösterpitter“ (Begriff für jemanden, der geduldig und ausdauernd ein handwerkliches Problem bearbeitet) bekannt.  Mit einem breiten Spektrum an Bearbeitungsverfahren findet er gerade bei besonders schwierigen, technischen Problemen, Möglichkeiten diese zu lösen und das selbst in Einzel-und Kleinserienfertigung. Jan mag es vor technische Herausforderungen gestellt zu werden und gemeinsam mit dem Kunden Lösungsansätze zu finden. Jan Kühr hat die typischen Macher-Qualitäten – „lass es uns erst mal ausprobieren ob wir es hinbekommen, dann können wir immer noch entscheiden das es nicht geht“

1. Die Idee hinter deiner Gründung?

Ich habe bei einem der größten Werkzeughersteller Europas Werkzeugmechaniker gelernt und mich 2011 zum Industriemeister weitergebildet. Im Anschluss daran war ich mehrere Jahre im kaufmännischen und technischen Außendienst tätig. Bei meiner Tätigkeit merkte ich immer deutlicher, dass ich mit Standard-Werkzeugen, -Bauteilen und -Anfertigungen meinen Kunden keine optimale Lösung bieten konnte.

Außerdem liebe ich seit frühester Kindheit alles, was Räder hat, ob Motorräder, Autos oder LKW´s. Das Fahren und Schrauben daran ist meine große Leidenschaft. Sowohl beim Schrauben als auch bei meiner anderen Leidenschaft, dem Katastrophenschutz, musste ich immer wieder improvisieren, da es keine Standards gab oder diese nicht zu den Anforderungen passte.

Mich hat es immer frustriert, wenn ich nicht die passenden Werkzeuge hatte, ein Ersatzteil fehlte oder ich eine gute Idee hatte, die ich aber aufgrund von fehlenden technischen Möglichkeiten nicht umsetzen konnte. Jetzt möchte ich auch anderen die Möglichkeit bieten, besondere Lösungen für besondere Situationen, Maschinen, Werkzeuge oder Teile zu finden und umzusetzen, damit jeder die Möglichkeit hat, sich selbst zu verwirklichen und seine Probleme zu lösen.  

2. Das Besondere an deinem Business?

Deutschlandweit habe ich noch keinen Konkurrenten gefunden, der so ein großes Spektrum an Bearbeitungsverfahren und Dienstleistungen abdecken kann wie mein Unternehmen. Ich stelle nicht nur Einzelanfertigungen her, ich berate den Kunden auch und überlege mir, wie die Einzelanfertigung konstruiert sein muss, welches Material den Anforderungen am besten entspricht und wie die Lösung für den Kunden finanziell im Rahmen bleiben kann. Auch kann ich z. B. Ersatzteile von Kfz, die es nicht mehr zu kaufen gibt, anhand eines alten, eventuell kaputten, Ersatzteiles nachbauen.  

Nebenher bin ich seit Anfang 2018 auch in die Lohnfertigung eingestiegen, das heißt, mein Unternehmen fertigt jetzt auch Serienteile nach Zeichnung an.  

3. Was bedeutet es dir, dein eigener Chef zu sein?

Ich bin früher mit meinen Vorgesetzten manchmal angeeckt, weil ich offen meine Meinung gesagt habe. Außerdem habe ich häufig Vorschläge eingebracht, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht verwirklicht wurden.  

Und heute? Kann ich sagen, was ich denke. Ich muss nicht im weißen Hemd zum Kunden, obwohl ich weiß, dass ich mich schmutzig machen werde, nur weil das Unternehmen es vorschreibt. Wenn ich eine Idee habe, kann ich Sie umsetzen, wie es mir gefällt.

4. Wann und wie bist du auf die Idee zu deiner Gründung gekommen?

Die Idee bestand schon lange. Bei einem meiner ehemaligen Arbeitgeber wurden Anfragen für Einzelanfertigungen und Sonderteile früher oft abgelehnt, da sie bei dem organisatorischen und prozessbedingten Aufwand eines Großunternehmens nicht wirtschaftlich gewesen wären. Das fand ich schon damals sehr schade, zumal es für mich eine Herausforderung und spannende Aufgabe gewesen wäre.

5. Woher stammt das Kapital für dein Unternehmen?

Aus einem Darlehen der KfW-Bank, abgewickelt über die Stadtsparkasse Remscheid. Außerdem habe ich schon vorher viele Werkzeuge und ein paar kleine Maschinen besessen, die ich in mein Unternehmen einbringen konnte.

6. Was waren bei der Gründung die größten Hürden?

Den Leuten zu erklären, was genau ich mache, wem ich wie helfen kann und welche riesigen Einsatzmöglichkeiten individuelle Anfertigungen bieten, daran arbeite ich noch heute. Ansonsten war es potentiellen Geldgebern immer schwierig zu erklären, warum ich gerade dieses eine besondere Werkzeug noch kaufen muss, wenn ich doch 20 andere habe, die für einen Laien genau gleich aussehen.

7. Was würdet du rückblickend in der Gründungsphase anders machen?

Ich denke zwar, dass ich sicherlich nicht alles richtig gemacht habe in der Gründungsphase, aber ich bereue auch nichts im Nachhinein.

8. Bekanntheit ist für jeden Gründer wichtig. Welches Marketinginstrument ist für dich besonders wichtig?

Die Kommunikationspolitik ist essentiell für mich. Jeder muss verstehen, was ich leisten kann und welche Einsatzmöglichkeiten meine Bearbeitungsverfahren bieten. Das ist oft nicht leicht zu erklären, aber umso wichtiger für jeden potenziellen Auftraggeber. Gerne spreche ich potenzielle Kunden auch über mein umfangreiches Netzwerk an.

9. Welche Person hat dich bei der Gründung besonders unterstützt?

Viel Unterstützung habe ich von meinem Unternehmensberater Herrn Flock von der CFU GmbH und auch von der Stadtsparkasse Remscheid erfahren. Außerdem habe ich ein gutes Netzwerk, mit dem ich mich austauschen und wo ich Meinungen oder Ratschläge einholen kann. Meine Oma hat mich nach Kräften durch Aufräumaktionen und Botenfahrten unterstützt. Meine Freundin unterstützt mich dauerhaft bei den Büroarbeiten; mit ihr konnte ich auch persönliche Sorgen besprechen

10. Was rätst du anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Baut euch frühzeitig ein gutes Netzwerk auf, in dem ihr euch gegenseitig unterstützen könnt und sorgt auch dafür, dass persönlich jemand für euch da ist, der euch auch mal auffangen kann. Und tut jeden Tag ein bisschen was dafür, dass ihr euer Ziel erreicht. Der Rest ist Arbeit, Motivation und ein Quäntchen Glück.

11. Reden wir über Remscheid. Wenn es um Start-ups und erfolgreiche GründerInnen in Deutschland geht, denken sofort alle an Berlin. Was spricht für Remscheid als Start-up bzw. Gründer-Standort?

Seit einigen Jahren hat sich in Remscheid eine Start-up-Kultur entwickelt, die Gründerinnen und Gründern hilft und den Einstieg erleichtert. Ich denke da an die Gründerschmiede Remscheid e. V., aber auch an das Innovationstheater im Januar 2018 im Teo-Otto-Theater, den Gründerpitch oder die After-Work-Partys von #diemitdemgeilennamen als Inkubator für Ideen und Gründerkultur.  

Historisch bedingt trifft man in Remscheid auf viel Industrie und hat somit viele Unternehmen als potenzielle Lieferanten oder Kunden quasi direkt vor der Haustür. Viele Städte, auch Großstädte im Umkreis, lassen sich auch schnell mit dem Auto erreichen.

12. Du triffst den Oberbürgermeister deiner Stadt – was würdet du dir für deine Stadt oder Region als Gründungsstandort von ihm wünschen?

Eine weitere Unterstützung der Gründerkultur und mehr Beratung auch von Seiten der Stadt. Vielleicht Vorträge zu Themen wie Steuern, Standortfindung, Mitarbeitergewinnung?

13. Was würdest Du beruflich machen, wenn du nicht gegründet hättest?

Ich würde heute als Vertriebsleiter arbeiten.

14. Bei welchem Gründer oder bei welchem Startup würdest du gerne mal einen Tag über die Schulter schauen können?

Da ich diverse Start-ups momentan im Bereich Produktentwicklung unterstütze, fällt mir momentan kein Start-up ein, welches ich mir gerne einmal ansehen würde.

15. Wie verbringst Du einen freien Tag?

Freie Tage kommen im Moment so gut wie gar nicht vor. Wenn ich aber mal Zeit habe, entspanne ich mich, fahre Motorrad oder gehe auf Konzerte.

16. Was sind deine nächsten Ziele?

Innerhalb der nächsten 5 Jahre möchte ich mein Unternehmen so voranbringen, dass ich 100 Mitarbeiter beschäftigen kann. Neben den Geschäftsfeldern Individuelle Anfertigungen, Zerspanungstechnik und Metallbau möchte ich den 3D-Druck/Scan weiter in mein Unternehmen integrieren. Außerdem entwickele ich aktuell eigene Produkte, die demnächst vermarktet werden.

17. Wie soll die Überschrift von einer Berichterstattung in 5 Jahren über dich lauten?

Jan Kühr übernimmt einen der größten Werkzeughersteller Europas!

Die Antworten im Interview wurden von Jan Kühr gegeben und sind unverändert.
Mehr über Jan Kühr:

Jan Kühr
Individuelle Anfertigungen
Kronprinzenstraße 42
D-42857 Remscheid

Mobil: +49 176.62 61 74 33
Mail: info@jankuehr.de
https:// www.jankuehr.de

7 August 2018